Interview Jahresrückblick Olaf Wittler

Abteilungsleitung Environmental & Reliability Engineering

Dr.-Ing. Olaf Wittler Abteilungsleiter  Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration IZM
© MIKA-fotografie | Berlin

Fraunhofer IZM: Sehr geehrter Herr Wittler, wir freuen uns sehr, dass Sie die Highlights und Downlights Ihres Jahres 2019 für uns zusammenfassen. Aber beginnen wir doch erstmal mit Ihnen. Von einer Skala von 1-10, wie zufrieden sind Sie mit den Ergebnissen Ihrer Abteilung?

Olaf Wittler: Wir haben hier ein tolles Team, das mit großem Engagement und exzellenter Sachkenntnis gearbeitet hat. Das wären dann mindestens 15 Punkte. Wir wollen uns aber im nächsten Jahr weiterentwickeln. Somit muss es eine 9 werden, damit noch Luft nach oben ist.

IZM: Die wichtigsten Worte sind damit schon mal gesagt, aber kommen wir nun mal zu den Details. Was waren die Erfolgsprojekte in 2019 und warum?

OW: Eines der besonderen Projekte im letzten Jahr, war AmWind. Wir haben zum ersten Mal eine eigene Schaltung entwickelt, mit der wir Condition Monitoring von Leistungselektronik auch in rauen Umgebungen, wie Windkraftwerken, betreiben können. Man ist jetzt in der Lage, die Geräte zu überwachen und kann so die Wartung planen. Das ist besonders interessant für Offshore-Plattformen, da man die Wartungsprozesse von Land aus steuern und planen kann. Das war ein toller Erfolg, da wir sind schon sehr lange mit diesem Thema unterwegs sind. Nur wollten bisher Partner diese Technologien nicht anwenden. Hier sehen wir nun eine Trendwende.

Für die Zukunft wollen wir hier noch mehr Anwendungsfelder finden, wie bspw. Die Automobilindustrie, wo ja auch immer mehr Leistungselektronik verwendet wird. Und auch hier ist die Verschleißteilüberwachung sehr wichtig, insbesondere in der Elektromobilität sehen wir daher großes Potenzial. Condition Monitoring war also das Kernthema 2019.

IZM: Okay, das war jetzt ein Projekt. Könne Sie noch weitere Projekte nennen?

OW: Ja, das Projekt KorSikA, wo es um Korrosion von Leistungselektronik in sehr aggressiver Umgebung geht. Dabei haben wir gelernt, wie die Alterung unter diesen extremen Bedingungen abläuft und welche Alterungsstufen es gibt. Hierbei geht es im Gegensatz zum Condition Monitoring vor allem darum, den Fehlermechanismus zu verstehen und Verbesserungsmöglichkeiten aufzuzeigen.

IZM: Vielen Dank erstmal. Das waren jetzt beides Projekte mit sehr industrienaher Anwendung. Hatten Sie auch noch Projekte, die sich thematisch mehr mir der Umwelt und Klimafreundlichkeit von Elektronik beschäftigen?

OW: Aus meiner Perspektive ein besonderes Projekt, das dieses Jahr gestartet ist, ist das Projekt Prompt. Hier geht es darum, mit Verbraucherorganisationen ein Testprogramm zu entwickeln, mit dem man die Langlebigkeit und Reparierbarkeit von Elektronik besser testen kann. Denn der größte Teil der CO2-Belastung steckt in der Herstellung der Geräte. Somit können wir unser Klima schützen, wenn wir diese möglichst lange nutzen, reparieren und weiterverkaufen. Dazu müssen die Geräte aber erstmal gut reparierbar sein. Teilweise beeinflusst die Reparierbarkeit aber die Robustheit der Produkte. Sind z.B. Akkus im Smartphone austauschbar, dann sind diese Geräte möglicherweise nicht so robust. Oder die Handys sind nicht so gut reparierbar, dafür aber robuster. Somit müssen beide Kriterien messbar und vergleichbar gemacht werden, damit die Verbraucher die Möglichkeit erhalten, abzuwägen und sich für Geräte mit einer langen Nutzungsdauer entscheiden können. Genau dafür wollen wir ein Testprogramm entwickeln.

IZM: Das klingt jetzt so, als würde es für dieses Jahr noch genug weitere Themen geben, die für Sie und die einzelnen Gruppen in der Abteilung spannend sein können. Welche Themen wären das? Prompt wird bleiben, nehme ich an?

OW: Richtig, Prompt wird auf jeden Fall bleiben. Ein weiteres Projekt ist noch in der Beantragung, da kann ich noch keine Details nennen. Ich kann aber schon mal sagen, es ist ein Projekt, was wir mit anderen Fraunhofer-Instituten zusammen realisieren wollen. Und dabei wird das Wissen aus den Bereichen Condition Monitoring und unseren Erkenntnissen zum Thema Korrosion zusammengeführt, um ein Condition Monitoring für neue Fehlermechanismen in Offshore- und Windkraftanlagen zu entwickeln. Wir wollen also praktisch die Ergebnisse, die wir in den Projekten dieses Jahres gesammelt haben, in übergeordneten Projekten bündeln und mit grundlegend neuen Erkenntnissen weiterentwickeln.

IZM: Aber sind wir mal ehrlich, es gibt immer Stolpersteine. Auch wenn Sie nicht im Detail drüber reden dürfen oder wollen, was könnte dieses Jahr besser laufen?

OW: Oh, das ist eine schwierige Frage. (Überlegt) Ich denke, ich wünsche mir Erfolg bei den öffentlichen Anträgen, an denen wir gerade schreiben, damit wir unsere Themen im Bereich Zuverlässigkeit und Umweltschutz ausbauen können und wir so zu einer nachhaltigeren Wirtschaft beitragen können. Gleichzeitig wünsche ich mir eine wieder anziehende Konjunktur, damit die Ergebnisse in der täglichen Praxis der Unternehmen umgesetzt werden können.

IZM: Und zu guter Letzt: Wenn Sie sich aussuchen könnten, wofür Ihre Abteilung steht, was wäre das?

OW: Wir sind der Partner für nachhaltiges und zuverlässiges Design von elektronischen Komponenten und Produkten.

VIELEN DANK für Ihre Zeit und auch die vielen Projekte in der angewandten Forschung, die Sie und Ihr Team umsetzen.

Olaf Wittler

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