System-Innovationen in der Radartechnik

Projekt OMNICONNECT

Tracking und Lokalisierung im Raum mittels 60 GHz-Radar

Zur Aufnahme und Auswertung von Bewegungsprofilen sowie zur Lokalisierung von Personen und Gegenständen in einem Raum hat das Fraunhofer IZM ein miniaturisiertes MIMO-Radarsystem entwickelt und in eine LED-Deckenleuchte integriert. Die  lückenlose 360°-Ausleuchtung des Raums wird durch Fusion der Daten von vier Radarmodulen erreicht, die Erkennung der Bewegungsprofile erfolgt unter Nutzung von Algorithmen der künstlichen Intelligenz. Das Radarsystem ist in der Lage mit einer  Winkelauflösung von 12° mehr als 30 Personen in einem Raum von bis zu 150 m² zu detektieren. Die Lokalisierung greift auf ein eigens für diesen Zweck entwickeltes passives Transpondersystem zu.

LED-Deckenleuchte mit integriertem MIMO-Radarsystem

Die Ermöglichung eines langen selbstbestimmten Lebens im Alter trägt zur Erhöhung der Lebensqualität alter Menschen bei. Voraussetzung ist ein rechtzeitiges Erkennen von Gefahrensituationen mit anschließender Einleitung von Hilfsaktionen. Auch bei  alltäglichen Dingen wie etwa bei der Suche nach vermeintlich verlorenen Gegenständen wird Unterstützung benötigt. Aus personellen wie finanziellen Gründen kann die skizzierte Unterstützungsleistung nur unter Zuhilfenahme von Technik gelöst werden.

Aus Gründen der Akzeptanz sollte diese Technik weder in die Privatsphäre der Menschen eingreifen noch im Raum deutlich erkennbar sein.

Im Forschungsprojekt OMNICONNECT hat das Fraunhofer IZM mit den beteiligten Projektpartnern daher ein miniaturisiertes Radarsystem zum Tracking und zur Lokalisierung von Personen und Objekten im Raum entwickelt.

Die Radar-Module basieren auf einer 60 GHz-Transceiver Architektur von TI. Für eine umfassende Detektion eines Raums werden in der Folge vier Radarmodule benötigt, da die Transceiver jeweils einen Winkeldetektionsbereich (Azimuth und Elevation) von max. ± 45° abdecken.

Die digitale Auswertung der Daten erfolgtin einem FPGA mit integriertem ARM-Prozessor, wobei der Prozessor die Schnittstellensteuerung und Parallelisierung der Signalverarbeitung übernimmt. Der FPGA übergibt die Zieldaten für die Bewegungserkennung und -verfolgung (Tracking) direkt an eine AI Computing Plattform.

Der Detektionsbereich eines Radarmoduls beträgt 10 m bei einer Bandbreite von 4 GHz. Durch seine Plated Half Holes (PHH) ist jedes Radarmodul mit SMD-Standardtechnologien in Kundenplatinen ohne spezielle HF-Kenntnisse integrierbar.

Die passiven Transponder zur Lokalisierung wurden als frequenzabhängige Radarziele entworfen, die bei  einer Zielfrequenz resonieren. Sie wirken damit ähnlich einem Leuchtfeuer. Die Identifizierung eines Transponders erfolgt anhand der Resonanzfrequenz, deren Lokalisierung mittels des „Time of Response«-Ansatzes.

 

Beitrag des Fraunhofer IZM:

  • Konzeption der integrierten Radarmodule einer Radar-System-Zelle
  • Design und Layout von Radar-Frontend-Modulen
  • Aufbau der Radarsensoren in hochintegrierter
  • 3D-Moldtechnologie
  • Kalibrierung der Radarsensoren

Realisierte Innovationen

  • 3D-Radar-Sensor-Konzept mit 360° Abdeckung durch Fusion der Daten von vier Radarsystemen mit einer Erfassungsreichweite je Modul von 10 m bei 4 GHz Bandbreite
  • Analyse von Bewegungsmustern und Ableitung von Auffälligkeiten durch Nutzung von künstlicher Intelligenz
  • Entwicklung eines Konzepts zur präzisen 3D-Lokalisierung mittels Radar durch Verwendung von passiven Transpondern

Vorteile des
Radarsystems

  • einfache Integrierbarkeit des 3D-Sensorsystems in die  Anwendungsumgebung: geringer Installationsaufwand
  • Erkennung von Bewegungen im Raum bei gleichzeitiger Erfassung  mehrerer Personen im Detektionsbereich
  • hohe Trennfähigkeit der  erkannten Objekte durch Winkelauflösung von  12°: mehr als 30 Personen sind im Raum unterscheidbar
  • Lokalisierung von Personen und Objekten im Raum bei einer  Trennfähigkeit von 6 cm in allen Richtungen
  • Erfassung von Räumen bis 150 m²
  • Kommunikationsschnittstelle zu handelsüblichen Smart Home Systemen

Radar-Anwendungsbereiche

  • Positions- und Bewegungskontrolle von Personen und Gegenständen in häuslichem und industriellem Umfeld
  • Navigationsaufgaben, etwa bei Landehilfe für autonome Luft- oder  Wasserfahrzeuge
  • Positionserkennung von autonomen Fahrzeugen im Raum

Das Radarsystem ist Bestandteil einer universellen Radar-Plattform, die das Fraunhofer IZM für die effiziente Realisierung von Radar-Projekten entwickelt hat. Mit diesem Ready-to-Plug & Play-Radarbaukasten sind 24, 60 und 79 GHz- Anwendungen mit Reichweiten von 0,1 bis 260 Metern und Winkelauflösungen von kleiner 5° möglich. Die  Frequenzen lassen sich mit Einzel-, Phase-Array- und MIMO-Antennenkonzepten kombinieren. Die Platinen werden per SMD-Montage (Plated Half Holes) auf konventionellen Leiterplatten aufgebracht.  

© OFFIS e.V | Fraunhofer IZM
image - Aufbau der Deckenlampe aus Polyurethan mit vier Radarmodulen
© Fraunhofer IZM
 

Download | Forschungsprojekt OMNICONNECT

Tracking und Lokalisierung im Raum mittels 60 GHz-Radar

 

Arbeitsgruppe

Radar Frontends & Modules

Wir konzentrieren uns auf den optimierten Entwurf und die Charakterisierung von HF/Millimeterwellen-Radarmodulen unter Verwendung des M3-Ansatzes (Methoden, Modelle, Maßnahmen). Basierend auf den Anforderungen der Anwendung wird das Implementierungskonzept in Verbindung mit dem M3-Ansatz entwickelt.

 

Arbeitsgruppe

Montage und Verkapselung

Wir erforschen Integrationstechniken für System-in-Package Produkte mit den Schwerpunkten Bauteilmontage für hochintegrierte Packages und Füge-/Verkapselungsprozesse basierend auf Polymermaterialien.